Mein Trauma heilen
- 11. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Bin ich traumatisiert? Bist du traumatisiert? Der Begriff Trauma wird derzeit sehr häufig und vieldeutig verwendet. Je nach Deutung sind alle Menschen irgendwie traumatisiert, im engen Sinn gibt es medizinische und psychologische Maßstäbe, nach denen Trauma diagnostiziert wird. Trauma als Erkrankung braucht ärztliche bzw. psychologische Therapie.
Mit Blick auf meine persönliche Entwicklung sind mir die Begrifflichkeiten egal. Ich suche nach innerer Sicherheit und Kraft, weil ich in meinem Alltag immer wieder in Situationen komme, in denen ich schmerzlich alte Ängste erlebe: Ich sehe mich in alten Mustern gefangen und kann doch mein Verhalten nicht ändern. Ich fühle mich ängstlich und hilflos, wie durch eigene tiefe Gefühle fremdgesteuert . Obwohl es in der gegenwärtigen Situation keinen Grund für die Gefühle gibt, fühle ich mich in meiner Vergangenheit gefangen. Ist das traumatisch?

Erfahrungen während einer Retraite
Mit diesen Erfahrungen habe ich mit einer Gruppe der Limus Zukunftsschmiede die Einladung zu einer Wochen-Retraite „Summer Intensive“ mit Thomas Hübl angenommen. Hübl ist als Lehrer und moderner Mystiker bekannt. Seit Jahrzehnten erforscht er Trauma, auch auf kollektiver Ebene. Zum "Summer Intensive 2026" versammelte er auf dem Hof Oberlethe ca. 600 Menschen aus aller Welt, die sich bewusst auf ihren Wegen der inneren Heilung und Entwicklung befinden.
Die Triade als heilsamer Ort
Kaum angekommen befinde ich mich in einer ersten Triade, in der ich von meinem Anliegen erzählen soll. Drei Menschen bilden einen sicheren Raum des wohlwollenden Interesses und des Mitfühlens für das Gegenüber. Eine Person hat Zeit ihre Empfindungen und Gefühle zu explorieren und über eigene Erfahrungen zu sprechen, während die anderen beiden aufmerksam zuhören und das Gehörte durch Mitgefühl bezeugen. Reihum ist jeder an der Reihe, ohne dass er unterbrochen wird oder das Gehörte kommentiert wird (Transparente Kommunikation).
Über die Woche erlebe ich, wie ich in zahlreichen Triaden mein Thema immer tiefer erforsche. Ich fühle die damit verbundene Traurigkeit und Ohnmacht. Ich spreche z.B. über meine Eltern und die Erfahrungen meiner Großeltern. Ich sehe die Auswirkungen von Krieg, Flucht und Gewalt in meiner Familie und wie die gesellschaftlichen Umstände auf die Menschen einwirkenden. Ich spüre die Dankbarkeit gegenüber meinen Vorfahren, aber auch den Schmerz, den sie erlitten haben.
Mein Trauma heilen
In den Triaden ist viel Raum, die Gefühle und den Körper zu spüren. Durch die empathische, intime Verbindung zu den Zuhörerinnen fühle ich mich in der Gegenwart gehalten. Ich spüre, dass sie mich spüren. Ich spüre mich im Gegenüber, ich bin nicht mehr allein in meiner Situation, z.B. in meiner Kindheit. Dieser Halt ermöglicht mir, mich dem eigenen Schmerz in der Tiefe zuzuwenden.
Dieses Bewusstsein für die Verbindung bzw. die Qualität der Verbundenheit mit den Zuhörenden erzeugt ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit in mir. Gelegentlich bemerke ich aber auch, wie die Verbindung verloren geht. Da die Anderen diese Trennung auch spüren, können Sie mich freundlich einladen, wieder in die Gegenwart zu kommen.
“Die Gegenwart ist der Ort, an dem die Vergangenheit in das Jetzt umgewandelt wird” schreibt Hübl auf seiner Homepage. Gelingt es mir so, mein Trauma zu heilen? Diese Methodik, eingebettet in ein Klima der Meditation, der offenen Begegnung mit meinen Mitmenschen, aber auch des gemeinsamen Tanzens und der Freude erlebe ich als wirkungsvoll. Empathischer und wertschätzender Dialog wirkt wie eine Medizin auf meine verletzte und geängstigte Seele.
Ich sehe mich am Anfang meines Weges in meine Kraft, die Retraite ermutigt mich weiterzugehen. Ich sehe aber auch, dass die "verkörperte Selbstheilung", wie Hübel es nennt, in meinem Fall durch eine fachliche psychotherapeutische Behandlung ergänzt werden sollte.
Zurück im Alltag
Wieder im Alltag möchte ich solche Orte des generativen Zuhörens mitgestalten. In der Zukunftsschmiede gibt es bereits Formate, wie den Zuhör-Raum und die Praxis- und Lerngruppe Persönlichkeitsentwicklung. Hier kann ich üben, einerseits Anderen die empathische Verbindung zu schenken und andererseits, mich tief mit meinem Körper und meinen Gefühlen zu verbinden, ohne in der Vergangenheit verloren zu gehen. Dabei ist mir bewusst, dass ich die eigene Heilung nicht machen kann, aber ich kann mich sehnsuchtsvoll und mutig dafür öffnen. Und ich lade andere Menschen ein, mit mir auf diesen Weg zu gehen.






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